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Vergleichende Studien über das studentische Plagiieren

Die Washington Post widmet sich in einem längeren Artikel Fragen des wissenschaftlichen Fehlverhaltens und der Sicht von Studenten auf Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens.

die trumpsSeit der Diskussion um Donald Trumps Gattin Melania Trump und ihre Rede beim Nominierungsparteitag der Republikaner, die in Teilen von einer Rede von Michelle Obama abgekupfert war, wird in den Vereinigten Staaten Plagiarismus wieder öffentlich diskutiert. Argumentativ erinnern viele Wortmeldungen an die deutsche Diskussion um die Plagiate in den Doktorarbeiten von Bildungsministerin Annette Schavan und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, obwohl natürlich eine politische Rede nicht mit einer akademischen Qualifizierungsarbeit zu vergleichen ist. Denn selbstverständlich ist von angehenden Promovierten ein anderes Wissen darum zu erwarten, wie man wissenschaftlich sauber arbeitet.

Nur die allgemeine Berlusconisierung in der Politik verbindet die Diskussionen wohl. Melania Trumps Rede hat immerhin das Gespräch über betrügerische Energien und Verlogenheit geweckt. Die Kontroverse hat auch einen sehenswerten kreativen Ausschlag der US-Cartoonisten ausgelöst, die mit Spott nicht sparen.

Die WaPo nimmt nun aber Osteuropa in den Blick und schreibt über das Denken und Verhalten bei westlichen Studenten gegenüber Studenten des ehemaligen Ostblocks, wenn es um Plagiieren, Betrügen und Kopieren geht. Es ist schließlich kein deutsches Phänomen, dass nur hierzulande Politiker mit gefälschten Arbeiten auffliegen, wie zwei dreiste Plagiatsfälle in der rumänischen Spitzenpolitik zeigen.

Unabhängig davon, ob man den Argumenten in der WaPo folgen möchte, wonach die Unterschiede bei der Wahrnehmung von Plagiaten und Betrügereien auf das politische System und die verschiedenen Werteordnungen zwischen den einst real existierenden Kapitalismus- und Sozialismus-Varianten zurückzuführen sei, werden eine ganze Reihe an internationalen Studienergebnissen zusammengetragen:

Im Jahr 2002 verglichen Forscher US-amerikanische mit russischen Studenten. 64 Prozent der Russen gaben zu, schon mal betrogen zu haben. Zum Vergleich: Bei den US-Studenten waren es 55 Prozent. Für tschechische Befragte war die Signifikanz einer späteren Studie höher: 44,8 Prozent gegenüber nur 14,1 Prozent bei ihren US-amerikanischen Altersgenossen gaben zu, schon mal von jemandem kopiert oder abgeschrieben zu haben. Bei kroatischen Studenten gaben 20 Prozent an, dass Täuschen bei Prüfungen schon irgendwie statthaft sei, wohingegen britische Studenten das nur zu 7 Prozent so sahen.

Ein weiterer Vergleich zwischen ukrainischen und US-amerikanischen Studenten: Untersucht wurde beispielsweise, wie häufig sie betrogen und wie ihre Sicht auf Mogeleien und Täuschungen ist. Insgesamt gab es auch hier signifikante Unterschiede: Auf einer Art Mogel-Skala von 1 („nie“) bis 5 („täglich“) kamen die US-Studenten auf einen Wert von 1,3, die aus der Ukraine auf 2,38. Gleichzeitig hielten mehr US-Studenten Betrügen auch für ein falsches Verhalten. Man hatte den Studenten sechs verschiedene Arten von Täuschungen vorgegeben, die allesamt von den ukrainischen Studenten als weniger falsch eingestuft wurden als das die US-Studenten einschätzten. Zugleich wurden alle sechs Täuschungsarten auf der ukrainischen Seite auch häufiger angewendet.

Allerdings könnte das auch der Grund für die niedrigeren Werte bei der Angabe über Betrügereien sein:

If U.S. students believe plagiarism and cheating to be worse than students in post-Communist Europe do, they might underreport having done so. Instead of revealing that cheating is more prevalent in Eastern Europe, these studies may simply be telling us only that it’s less embarrassing to admit.

Gründe für das studentische Plagiieren könnten auch natürlich darin liegen, nicht genau zu wissen, was ein Plagiat ist. In den angegebenen Studien spielt die Frage, welches Wissen die Studenten über Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens haben, keine große Rolle, da die abgefragten Arten der Täuschungen sehr einfach als wissentliches Betrügen zu klassifizieren sind.

Es gibt im Artikel auch ein kleines Fallbeispiel zu betrügerischem Verhalten:

Here’s the hypothetical scenario: Two of them cheated during an exam. Student A copied answers from Student B, with B’s consent. Student C reported this to the department.

Wie schätzen wohl russische und US-amerikanische Studenten das Verhalten von A, B und C ein? Nicht gleich hinklicken, sondern erst Vermutungen anstellen, wie neben A und B der „Informant“ C bewertet wird und warum.

Bei der Gelegenheit legen wir nochmal unser Fallbeispiel über Betrug und Plagiat ans Herz.

Bildlizenz: CC BY-ND 2.0, disneyabc.

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